Von:
Birgit Görmann

e-gemeinschaft.de

Gemeinschaft. Dabei denke ich sofort an meine Ausbildungszeit. Diakone und Diakoninnen leben in Gemeinschaft, ihr Leben lang. Während der Ausbildung aber gilt gemeinschaftliche Wohnpflicht. Ich sehe noch genau jedes der verschiedenen Zimmer vor mir, die ich bewohnt habe. Kleine und später immer größere. Zum Wohlfühlen und auch zum alleine sein. Immer auch direkt neben einer Frau aus meiner Gemeinschaft. Da gab es viel zu hören, dicht an dicht.

Ich erinnere mich an gebrüllte Streitereien, an schallendes Gelächter, an berstende, frustvertreibende Musik, an verzweifeltes Weinen und vieles mehr, was ein Leben ausmacht. Gerne denke ich daran, wie selbstverständlich wir einander oft verstanden haben und wie selbstverständlich wir uns im Bademantel mitten auf dem Gang gezofft haben, wie wir danach gelacht haben. Worte waren oft überflüssig.

Während der Prüfungsvorbereitung gab es Schraubverschlusswein mit Wassereis bei wüsten Beschimpfungen zum Ligretto-Spiel. Ich denke an die Kirchenglocken, die geläutet wurden, wenn jemand aus der Ausbildung ausschied, vor allem wenn derjenige es nicht wollte.

Mitten in der Nacht schlichen sich die Mitschüler mit geborgten Schlüsseln in den Turm. In Rummelsberg wird morgens, mittags und abends noch von den Diakonenschülern per Hand mit Stricken geläutet. Schnell musste man aber sein, denn es war eigentlich nicht erlaubt. Zuviele alte Menschen kannten die Glocken nachts noch als Feuerwarnung. Volles Geläut um Mitternacht. Ich erinnere mich an die Angst und das Mitgefühl, wenn ich davon nachts aus dem Schlaf gerissen wurde.

Manchmal wurde erst so klar, dass die Entscheidung endlich feststand. Ich empfinde eine Diakonin, wann immer ich sie treffe, als eine Schwester, eine Verwandte, die ich mir eben nicht aussuchen kann, aber die ich akzeptiere und liebe um ihretwillen. Manchmal mehr und manchmal weniger. Gemeinschaft, wie wir sie auch in unseren Kirchengemeinden erleben könnten. Die Gemeinde Christi als Brüder und Schwestern.